Heute sind wir in Kyparissia angekommen. Nicht ohne am Nachmittag – während der Wind eingeschlafen war – in einer wunderschönen Badebucht, einen Stop für einen erfrischenden Sprung in das nicht mehr ganz so kühle Naß einzulegen. Die Aussicht vom Boot ist grandios zu nennen. Die hohen Berge gehen hier bis fast an den mit feinem Kies bedeckten Strand und es gibt nur eine Zufahrt über eine Passstraße, die als tiefe Schlucht am Wasser ausläuft. Leider eignet sich diese Bucht nicht zum Übernachten und wir nutzen den wieder einsetzenden Wind zur Weiterfahrt. zwei Stunden später laufen wir in die Bucht von Kypaeissia und entdecken, ganz versteckt, einen Segler vor einer kleinen Kapelle. Als wir darauf zulaufen, bedeutet uns der französische Segler den Anlegepunkt, denn es gibt nur Festmacher für zwei Boote, glück muß man haben. Kapelle mit Kai, sonst nur Wald um uns herum. Wir laden den hilfsbereiten Franzosen zum kühlen Bier ein und lassen uns den Weg ins Dorf erklären, als Revierkenner versorgt er uns auch noch gleich mit einigen Tipps. Es ist sehr heiß heute und wir versuchen das erste Mal im Cockpit zu schlafen. Polster werden gerichtet und Kopfkissen aufgeblasen, um die harte Bank etwas bequemer zu machen. Dagmar zieht später die weichen Polster der Koje vor, ich halte aus und brauche am Morgen eine umfangreiche Entspannungsgymnastik, um in Schwung zu kommen.
Archiv des Autors: Manfred
königlicher Besuch
Wir fahren etwas früher los, da es DAS Kap des Peloponnes – Kap Malea – zu runden gilt. Hier ist eine Wetterscheide und man fährt eigentlich vom Ionischen- ins Ägaeische-Meer. Hier schlagen die Wellen schon mal höher als anderswo, aber heute ist uns das Kap freundlich gestimmt und es gibt nur wenig Wind. Nun sind wir also auf der Ostseite und das erste Ziel ist Monemvasia. Schon von Weitem erkennt man den hohen schroffen Fels, der sich im Scheitel der Bucht deutlich vom dahinter liegenden Bergland abhebt. Die stolze, von Byzantinern erbaute Festung wurde überhaupt nur einmal seit ihrer Erbauung im 6. Jh eingenommen, nämlich durch die Griechen bei der Vertreibung der Türken 1821.
Der kleine Hafen ist gut gefüllt. Wir gehen an einem neuseeländischen Boot längsseits, kaum fest, beginnt es in den Masten der Boote zu heulen – Starkwind ist eingetroffen. Der hält sich drei Tage. Wir vertreiben uns die Zeit u.a. mit der Teilnahme an der alljährlichen Feier zur Vertreibung der Türken. Die Griechen lassen hierzu die entscheidende Seeschlacht noch einmal aufleben, viele kleine Fischer- und Sportboote stürzen sich mit Knall und Getöse auf ein osmanisch hergerichtetes Boot, welches zum „guten“ Schluß in Flammen aufgeht und versenkt wird (die Überreste werden ab dem nächsten Tag im Hafen ausgestellt). Die Besucher, die diesem Spektakel beiwohnen wollen, übertreffen heute die Anzahl der Bewohner Monemvasias und in den Restaurants, Tavernen und Bars ist kein freier Platz zu bekommen. Wir unterhalten uns trefflich mit Jaqueline und Peter, einem Österreichisch-Holländischen Paar, das nicht nur seit über 40 Jahren verheiratet ist, sondern eben solange auch segelt, nicht genug, sie haben auch noch ein zweites Boot in Thailand, mit dem ihre Weltumsegelung noch zu beenden wäre.
Heute, nach der überstandenen Feier verlassen viele Segler den kleinen Hafen. Wir lösen unser kuscheliges Päckchen mit den Neuseeländern auf und verholen uns zum Verssorgen an einen günstigeren Platz. Außerdem hatten wir Waschtag. Nachdem das Boot entsprechend „geflaggt“ war, hat sich dann auch Dagmar der aufwendigen Prozedur des Haare Waschens gewidmet. Das erledigt sie im Allgemeinen im Bikini, heute jedoch in BH und Höschen, da passiert es, kommt doch glatt Wilhelm Alexander – König der Niederlande – mit dem Tender ALDEBARAN längsseits, samt Maxima und Kindern. In einem zweiten Boot, ganz diskret, zwei Bodygards, die beim festmachen helfen. Bestellte Taxen fahren vor und die sämtliche Majestäten entschwinden zum Besuch der Altstadt auf der Felseninsel. Drei Stunden später kehrt das Königshaus zurück, besteigt ihr Bötchen und mit Leibwächter i Schlepptau geht’s zurück – wahrscheinlich zum Basisschiff.
Morgen geht’s bei uns weiter Richtung Norden.
Blistergleiten
Nach der stürmischen Nacht ist heute ist eher ein Leichtwindtag. Wir setzen den Blister und verändern die nächsten drei Stunden gar nichts. Mit 5 kts ohne Welle gleiten wir in Richtung Gytheion, Segelgenuß pur.
Unterwegs können wir auf unserer Badeplattform sogar noch gemütlich Duschen und uns für den Landgang frisch machen. In Gytheion angekommen, dann die Überraschung, der Hafen ist eigentlich wegen Umbau geschlossen. Mühsam finden wir einen Platz, an dem sonst wohl ein Fischerboot festgemacht ist. Die Küstenwache erlaubt uns spontan, „hier könnt ihr liegen bleiben“, na prima! Wir sind durstig und gönnen uns ein kühles Bier und ein interessanten Gespräch mit dem freundlichen Personal. Während dessen betanken wir CALYPSO mit frischem Wasser. Gut so, denn nach einer Weile erscheint der freundliche Beamte der Küstenwache wieder und bittet uns, „vor der Tür vor Anker zu gehen“, da er nicht sagen kann, wann der Fischer zurück sein wird. Also raus und ankern, Dingy klar machen und Stadt anschauen.
Ja,ja,jaaa, der Traumstrand, wir haben ihn gefunden.
Nachdem wir heute morgen in Archangelos noch einige Kleinigkeiten eingekauft hatten (u.a. frische Doraden vom Fischer weg) trug uns ein moderater Westwind hier her.
Hier, ist der Südstrand der Insel Elafonisos. Der Anker gräbt sich nach nur zwei Stunden Fahrt in reinsten, feinen weißen Sand, wir kommen uns vor, wie in einem riesigen Meerwasser-Pool. Andere Ankerlieger sind weit weg. Erst mal baden! Die Sonne lässt das Wasser in allen Türkis-Tönen leuchten – hier wollen wir nicht mehr weg! Baden und noch mal baden, relaxen und wieder baden. Leider beginnt am späten Nachmittag der angekündigte Südwestwind. Immer stärker werdend, baut er eine Welle auf, bei der CALYPSO im flachen Wasser unangenehm zu tanzen beginnt. Schweren Herzens verlassen wir die Bucht und fahren um drei Ecken, hier in der Bucht Levki ist es geschützt und wir werden eine ruhige Nacht verbringen.
Kreuzspinnenallee
Alle paar Tage bekommen wir nach dem Aufwachen unruhige Füße, der Bewegungsdrang wird übermächtig. Heute ist der Leuchtturm (wichtiges Feuer für die Schifffahrt, die die Insel im Süden passeren)der Insel als Ziel entdeckt. In den Büchern ein leichter Weg für eine halbe Stunde, mit schönem Ausblick. Per Dingy machen wir uns auf den Weg zum „Einstieg“, dieser ist nicht so einfach zu finden, die Esel müssen sich den Weg wohl selber suchen. Großes Hinweisschild: Betreten verboten, nur mit schriftlicher Genehmigung der Verwaltung in Methoni, achtung Jagdbetrieb, häää??? Wir lassen uns nicht so leicht abhalten und hinter einer verrottenden Fischerhütte, werden wir vermeintlich fündig. Wir orientieren uns an einer Wasserleitung und stapfen los. Lautstarkes Rasseln der Zikaden und Monster-Kreuzspinnen (bis 6 cm lang) begleiten uns „engmaschig“. Unglaublich, so große Exemplare konnten wir live noch nicht bestaunen. Die Netze finden sich alle paar Meter von einer Seite des Weges auf die Andere, manchmal ist tiefes Bücken angesagt, um die „Lieben“ nicht zu stören, hat auch was von Indiana Johnes. Später finden wir dann auch einen durch rote Punkte gekennzeichneten Weg, der steil aufwärts direkt zum Leuchtturm führt. Hier gibt es ein Gebäude, das leider komplett dem Verfall überlassen wird, nur das Leuchtfeuer funktioniert noch über Solarpaneele gespeist, obwohl auch dieses schon recht mitgenommen aussieht.
Doch der Blick ist grandios, von hier bis Tunesien, nur Wasser. Draußen ziehen die „Großen“ ihre Bahnen. Wieder zurück waren wir mal eben eineinhalb Stunden auf steiniger Strecke unterwegs, außer ein paar Ziegen und Gämsen keine weitere Bewegung. Jetzt, fast gegen Mittag, haben wir uns ein anständiges Frühstück und ein erfrischendes (und von Spinngeweben reinigendes) Bad verdient.
Dann geht es weiter nach Koroni im Messiniakos Golf, Anker rein, Essen machen, ab in die Koje.
Pylos – Porto Longos – Koroni
Heute haben wir uns wieder auf den Weg weiter in den Süden gemacht.
An der Westseite des Peloponnes geht es entlang steiler Küsten und tiefer Einschnitte in Richtung Methoni, einer kleinen Stadt, die bereits in Homers Ilias erwähnt ist und die später durch Byzanz und Venedig zu einer wichtigen Festung ausgebaut wurde. Gerade von See her wirken die wuchtigen, gut erhaltenen Stadtmauern mehr als Beeindruckend. Platt vor dem Laken geht es durch die flache Passage zwischen Methoni und Sapientza unserem heutigen Ziel.
Wir steuern die Bucht Port Longos an, hier gibt es zwar zwei Fischfarmen, die aber der Wasserqualität überhaupt nicht abträglich sind. Ansonsten sind wir mit einer englischen Ketsch (Segelboot mit zwei Masten, wobei der hintere Mast kürzer ist als der vordere) . Klar können wir unseren Anker auf 9 m Tiefe erkennen, er ist gut eingegraben und wird den frischen Wind in der Nacht sehr gut aushalten, und wir ruhig schlafen.
Abschied
Heute morgen sind unsere Freunde von der LACUS FELIX wieder ausgelaufen, die wir vorgestern hier ohne vorherige Absprache wieder getroffen hatten. Sie haben die Kaps des Peloponnes von Ost nach West umrundet, das gleiche in Gegenrichtung haben wir uns für die nächsten Tage vorgenommen.
Hier in Pylos haben wir mit Ines und Martin zwei herrliche Tage verbracht und gesehen, dass die deutsche Fußball-Nationalelf doch Weltmeister werden kann. Die Vorräte sind aufgefüllt, zwei Maschinen Wäsche gewaschen, die historische Bucht mit dem Dingy ausgemessen (Wracks haben wir keine gefunden, Schätze waren nicht zu heben) und ab morgen kommt der Wind auch wieder aus der richtigen Richtung. Heute brauchten wir sowieso einige Zeit, um richtig auf die Beine zu kommen und wir glauben, dass das an den Calamari von gestern lag.
wunderschöner Segeltag
Gestern hatten wir wirklich einen wunderschönen Segeltag. Die Maschine lief mal grade eine halbe Stunde für Anker auf und Anker fällt. Dazwischen Segeln pur! Halbwind mit 12 – 15 kts, Seglerherz was willst Du mehr. Ja gut, etwas Sonne wäre nicht schlecht gewesen, aber die hatten wir ja bisher mehr als ausreichend. Nachts heult der Wind im Rigg mit Böen 6 Bft+, wir schlafen dennoch gut mit ausreichend Kette und den Anker extra gut eingefahren.
Heute begann der Tag wieder mit einem moderaten Wind und wir können unser Ziel Katakolon direkt anliegen. Wichtig bei der Planung ist, den Endspieltermin nicht aus den Augen zu verlieren! Wir planen heute Kyparsissias und morgen Pylos, eine allseits geschützte Bucht und mit Glück einem Platz in der Marina. Auf halber Strecke dreht der Wind und nimmt – wie immer am Nachmittag – deutlich zu. Warum sollen wir den halben Tag vor Anker verbringen, wo Segeln doch so schön ist. Wir planen um, eine Ankerbucht auf der Insel Proti soll unser Ziel sein. Dort kommen wir – mit viel Wind aus der richtigen Richtung immer noch sehr früh an. Die Ankerplätze gefallen uns nicht wirklich und so hängen wir die zwei Stunden bis nach Pylos auch noch an. Diese zwei Stunden ziehen sich jedoch wie Kaugummi, die See ist recht konfus und die Wellen mittlerweile so hoch, dass Wind und Wellen von hinten CALYPSO ordentlich in Bewegung halten. Der Motor muß dann die letzte halbe Stunde ran, weil der abnehmende Wind bei weiter zunehmender Welle, das Segel nicht mehr richtig stehen lassen will, wir wollen ja schonend mit unserem Material umgehen. Die Einfahrt in die Bucht von Navarino ist wirklich spektakulär, steile Felsklippen säumen die hohen Ufer. In dieser Bucht hat eine englisch-französisch-russische Allianz 1827 der zahlenmäßig dreifach überlegenen türkisch-ägyptischen Flotte eine vernichtende Niederlage zugefügt. Danach erhielt Griechenland seine Unabhängigkeit zurück.
Tatsächlich finden wir, dank eines freundlichen Griechen (der Tankwagenfahrer), einen sehr guten Liegeplatz und können uns jetzt in Ruhe auf das morgige Spiel vorbereiten.
nur kein Ankersalat
Gestern haben wir schon mal unser heutiges Ersatzziel per Roller besucht. Das hatte uns gut gefallen und so haben wir, wetterbedingt, den Besuch der Turttle-Beach auf die Rückreise oder ein andermal verschoben. Der Wind pfeift ganz ordentlich als wir in den Hafen einlaufen und wir sind wir froh, noch einen der guten Liegeplätze frei vorzufinden. Zuerst die Kettenverläufe der anderen Ankerlieger prüfen, um am nächsten Morgen nicht in Ankersalat verwickelt zu werden und rein mit dem Eisen mit der gesamten Kette, man weiß ja nie genau wie der Wind dreht. Wir besuchen das kleine Örtchen, nehmen unseren Sundowner und prüfen die Örtlichkeiten auf ein gutes TV-Gerät, denn wir wollen schon das Spiel unseres späteren Finalgegners anschauen – gelohnt hat es sich nicht wirklich.
Am nächsten Tag dann, wie befürchtet, können wir dem Eiertanz einiger Charteryachten zusehen und hören, wie man sich in unterschiedlichen Sprachen Kommentare lauthals zuwirft. Wir haben uns da schön rausgehalten. Auch unser Nachbar, ein erfahrener Skipper, bedankt sich für unser umsichtiges Ankermanöver, da er mit seiner Reisegruppe schon sehr früh ablegt.
Höhlenforscher
Ausgeschlafen sondieren wir die Supermarkt-Situation, besuchen den örtlichen Metzger, mit guten Fleisch- und Wurstwaren und kaufen einige Postkarten für die Lieben, die daheim dem Arbeitsprozess unterliegen.
Mit dem Roller machen wir uns auf die Melisani, eine bekannte Höhle zu besuchen, hier sollte man um die Mittagszeit ankommen, da dann das Tageslicht im richtigen Winkel auf die Wasserfläche scheint und die schönsten Farbenspiele erzeugt. Mit dem Ruderboot geht es für 7€/P durch die Höhle. Der Ruderer erzählt die Geschichte der Höhle und einiges mehr, die ein sympathische, junges Paar aus Südengland und wir hie und da kommentieren, so entsteht eine lustige Unterhaltung. Das besondere in dieser Höhle: Durch mischen von Salz- und Süßwasser wird der Wasserspiegel erhöht, diese statische Energie wurde dann zum Betrieb von Mühlen eingesetzt, sehr clever!
Vor der Weiterfahrt wollen wir uns stärken und entdecken ein etwas moderner aufgemachtes Kaffee.
Kurz, sehr enttäuschend. Personal unmotiviert, Getränke schlecht, Preise hoch.
Danach geht’s weiter. Wieder schlängeln wir uns auf den kurvigen Bergstraßen, mit teils wunderschönen Ausblicken auf über 600 m NN, (noch hier oben wachsen die herrlichsten Kräuter und die werden von der Capitana nicht nur betrachtet, sondern für den heimischen Herd auch gleich geerntet werden) um auf der anderen Seite wieder steil hinab zum bekannten Ort Assos zu rollen.
Ein sehr pittoreskes Örtchen, eng hinein geschmiegt in eine kleine Bucht und auf einen kleinen Felsvorsprung. Wir machen uns zu Fuß auf den Weg zur Ruine der Festungsanlage, 2 km bergauf trainieren dann auch ein wenig des Seglers Muskeln, die auf dem Boot gewöhnlich etwas vernachlässigt werden. Ein herrlicher Ausblick ist der Lohn der kleinen Anstrengung. Wieder im Ort angekommen ist uns das ein Mythos wert (wohlschmeckendes griechisches Bier). Unser nächstes Ziel soll der bekannte Strandabschnitt Myrthos sein, um ein erfrischendes Bad zu nehmen, doch daraus wird nichts. Bagger und Baufahrzeuge versperren die Straße, Schäden eines Bergrutsches werden repariert und während dieser Zeit muß – aus Sicherheitsgründen der Strand gesperrt bleiben. Also machen wir von der über dem Strand vorbeiführenden Straße einige schöne Photos zur Erinnerung, wirklich Schade, aber wir kommen ja auf dem Rückweg nochmal hier vorbei. Am Abend haben wir eine Einladung bei unseren Nachbarn Dany und Michel, sehr nette Franzosen aus Six Fours bei Toulon, beide sprechen gut Englisch und Dany spricht auch Deutsch, sie haben noch ein französisches Paar eingeladen, Clarisse und Denis aus Montpellier, die am gleichen Tag angekommen sind. Es wird Wein, Whiskey und Ricard gereicht. Wir parlieren zwei Stunden in verschiedenen Sprachen, müssen uns dann aber verabschieden, weil wir vor dem Spiel gegen Brasilien noch etwas Essen wollen. DAS Erfolgserlebnis für die deutsche Nationalelf genießen wir mit Clarisse und Dennis, gut, dass wir morgen noch bleiben.








