von Levitha nach Amorgos

Schon von Patmos Hafen ging’s – wie versprochen – mit sehr gutem Wind nur unter Genua sehr gut in Richtung Ziel – Levitha. Eine kleine nur von ein paar Menschen bewohnten Insel mitten in der Ägäis.  Später drehte der Wind wunschgemäß auf West und wir konnten das Groß zur Unterstützung setzen. Für die 25 sm brauchten wir gut vier Stunden, das ist ordentlich. Als wir um die Landzunge der angepeilten Bucht biegen, sehen wir nur zwei weitere Segler an den ausgelegten Bojen liegen, ein komfortabler Empfang, auch wenn einmalig 7€ Liegegebühr verlangt werden.

tief in der Bucht liegen wir sicher an der Boje

Ankern ist zwar möglich aber schwierig, da der Grund tief und weit mit Seegras bedeckt ist. Hier haben wir guten Schutz, auch wenn die Fallböen über die Hügel pfeifen.
Hier ist nur noch eine Bauern-Familie übrig geblieben, die jedoch die brach liegenden Felder in einem weiten flachen Tal auch nicht mehr für bewirtschaftenswert hält. Sie halten Federvieh und Ziegen und fischen in den umliegenden Gewässern. Ansonsten wird alles, was hier verbraucht wird, mühsam mit dem Boot herangeschafft. Wegen des launischen Meeres und der meist starken Winde,  erfordert das eine sehr gute Vorratshaltung und die Transportkosten sind nicht unerheblich.

sind keine Gäste da, wird das Restaurant auch mal Zweck entfremdet

Die Küche ist dennoch sehr fein und es wirkt niemand unzufrieden. Ein solches Leben muss man wollen und ist sicher nicht jedermanns Sache.

das Transportfahrzeug

Nach zwei Tagen Ruhe und Baden im glasklaren Wasser verspricht der Wind eine gute Reise nach Amorgos. Amorgos liegt in einer “ Gasse“ in der der Meltemi (oder auch Etesien) häufig nochmal extra aufbraust und schon manchem Segler alles abverlangt hat. Mit nördlichen Winden kommen wir gut voran. Bald schon erreichen wir Agios Elmino, die Landzunge hinter der die zweite Ankerbucht Levithas liegt. Entlang kleiner unbewohnter Inseln geht es 10 sm rasch dahin. Als wir dann den Schutz der Inseln verlassen, entwickelt sich schnell ein veritabler Seegang und obwohl der Wind von 3 Bft auf 5 Bft auffrischt, kommen wir kaum schneller voran. Kurz überlegen wir Amorgos südlich zu runden, sehen aber dann doch davon ab, da der Wind eher noch weiter rückdrehen – nach Westen – soll.

Gut, dass wir uns so entschieden haben, denn kaum haben wir die Ankerbucht Vilakardha an der Nordostseite von Amorgos passiert dreht der Wind auf Südwest. Ok, was tun? Der Hafen Aigialis und die Bucht Vilakardha sind für die nächtens  angesagten Bedingungen ungeeignet, die geeignete Bucht Kalotyri liegt genau in Windrichtung mit starkem Strom gegenan und Schwell. Es ist erst früher Nachmittag und so entscheiden wir uns für die etwas nördlicher gelegene Insel Donoussa. Ein Reff ins Großsegel und schon geht’s flott in Richtung Nordwesten. Das hat sich gelohnt, denn in der Bucht Roussa finden wir einen guten Ankerplatz für das zu erwartende Wetter und wir haben nur einen Mitbewerber.

Ormos Roussa

Zwar müssen wir auf 15 m Tiefe ankern, aber beim einfahren des Ankers mit 60 m Kette und Vollgas rückwärts bewegt sich nix mehr. Am Abend brist es dann auch heftig aus Südwest auf, gut, dass ich vor dem Schlafen gehen nochmal 30 m Kette nachgesteckt habe. Die Böen erreichen in der Nacht deutlich mehr als 30 kts und fühlen sich ungewöhnlich hart an. Am nächsten Morgen dreht der Wind auf Nordwest ohne sich merklich zu beruhigen. Wir gehen Anker auf und setzen die halbe Genua. Mit mehr als 7 kts Fahrt rauschen wir aus der Bucht. Draußen nimmt der Wind langsam auf 6 Bft ab und im Schutz der Insel ist das Wasser relativ glatt – noch. Der Wind geht dann auch weiter zurück und mit 20 kts von achtern und einer sicher mehr als 2 m hohen „Schiebewelle“ bleibt unser Schnitt bei fast 7 kts Fahrt. In der Vorbeifahrt schauen wir kurz in den Ormos Kalotyri – unsere geplante Ankerbucht – was wir sehen, gefällt uns nicht und so rauschen wir weiter in den Ormos Katapola. Hier gibt es laut Karte eine Bucht, die uns vor dem kommenden Wetter gut schützen sollte. Als wir dann bei der Vorbereitung zum Ankern die Bedingungen ausloten, sind wir ein bisschen überrascht. Tiefer Ankergrund, viel Seegras – der Feind aller Anker – und eine Anlegestelle, an der die Badegäste aus der Stadt angelandet werden.

Landleinen in Windrichtung

So meint denn auch ein „Fährkapitän“ wir dürften hier nicht ankern. Das kennen wir schon, versucht der ein oder andere doch immer mal wieder, seine Pfründe zu schützen und andere unberechtigt zu verscheuchen. Gleiches Recht für alle, wenn man sich an die Vorschriften hält. Es bleibt dann auch bei dem einmaligen Versuch und keiner wird behindert. Für das Ankermanöver wenden wir dann nach zwei Fehlversuchen eine besondere Methode an. Wir fahren ins tiefe Wasser, lassen den Anker schon mal 20 m in die Tiefe und steuern unseren Liegeplatz an. Als der Anker dann einhakt, lassen wir ihn die Kette gegen Wiederstand ausholen. Das klappt prima und nach einigen Rucklern hat er sich zu unserer Zufriedenheit eingegraben. Später müssen wir dann noch etwas Ankerleine stecken, da 90 m Kette nicht ausreichen, um den gedachten Platz zu erreichen – egal, Hauptsache hält. Etwas mühevoll werden die beiden Landleinen ausgebracht, müssen jedoch nochmal korrigiert werden, bis wir zufrieden sind. Die Arbeit hat sich gelohnt, wir liegen gut. Mehrere Yachten versuchen am späten Nachmittag zu ankern, müssen aber im auffrischenden Wind  bald unzufrieden wieder abziehen. Die nächsten Tage bringen dann auch Wind und Fallböen vom feinsten. Eine Versorgungsfahrt mit dem Dinghi endet tropfnass und mit Wasser im Boot. Nach drei Tagen lässt der Wind etwas nach und wir wollen zum Versorgen in den Hafen verlegen. Dumm nur, dass der Motor keinen Mucks von sich gibt, wir aber auch die Landleinen schon gelöst haben.

tief liegen die Batterien übereinander

Also schnell nochmal 20 m Leine gesteckt, damit wir sicher nicht auf Trifft gehen. Schnell kurzschließen? möglich, aber auch sinnvoll? Wir wissen, dass unsere Starterbatterie nicht mehr die Jüngste ist, also muss sie eh getauscht werden, warum nicht jetzt? Es ist nur wenig Mehrarbeit. Nach knapp zwei Stunden sind alle elektrischen Verbindungen wieder hergestellt, nicht so einfach, weil die alte Batterie mit Doppelpolen ausgestattet ist, die neue aber nicht. Wir haben alles an Bord, Kabelschuhe, Presszange, Messgeräte, aber so wurde der Wechsel dann doch aufwändiger. Unsere Ersatzbatterie (105 Ah) ist nicht am Bordnetz, damit sie im Notfall (Blitzschlag) wenigstens für einige Zeit die wichtigsten Systeme versorgen kann, wird jedoch regelmäßig geladen, so startet der Motor auch sofort.

Liegeplatz in Katapola

Im Hafen weist uns der Hafenmeister einen Platz zu, der nicht viel Manövrierraum bietet. Bei der Anfahrt können wir 2 m neben dem Boot schon die Steine an der Oberfläche erkennen. Unter dem Kiel ist dann auch nur knapp ein Meter Platz bis zum Grund. Gut dass wir 65 m Kette ausgebracht haben – bei  5 m Wassertiefe –  und vor der Einfahrt den Anker auch ordentlich eingefahren, denn die Böen kommen hier von der Seite.
Wir machen einen langen Spaziergang/Wanderung, da wir die letzten Tage unsere Beine nur wenig gebraucht haben, Schwimmen, Lesen, Diskutieren fordert den Gehapparat eben nicht.

 

Wind:  NW 3-7 Bft

Etmal: 82 sm    (Woche)

große Nachbarn in der Bucht

kleine Nachbarn an der Mole

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